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Das Wirtschaftsblatt schreibt


24.11.2008 / 16.50 Uhr

Wo sich Ideen die Klinke in die Hand geben!


Mehr als 5.500 verschiedene Tür- und Fensterbeschläge haben es in den vergangenen Jahrzehnten in die Produktionslisten von Wilhelm May geschafft. Dem Firmenslogan „Uns fällt immer etwas ein“ folgend, haben die Inhaber Harald und Manuel Kollenberg noch vor keiner Herausforderung die Segel gestrichen. Ihr neuester Clou sind antiseptische Türgriffe.

Sich die Klinke in die Hand geben“ steht synonym für viel Betrieb und hohe Besucherfrequenzen. An bestimmten Stellen, kann es aber mitunter ziemlich folgenreich sein, wenn sich viele Menschen die selbe Klinke in die Hand drücken.

Tatort Krankenhaus. Greift hier ein erkrankter Mensch zum Türgriff, hinterlässt er dort unweigerlich Bakterien und Viren. Der nächste, der anschließend hereinkommt, nimmt über die Haut die übertragenen Krankheitserreger auf – und kann sich im Zweifelsfall infizieren. „Es ist wahrlich kein Geheimnis, dass man sich in einer Klinik viele Krankheitskeime einfangen kann“, sagt Wilhelm May-Geschäftsführer Manuel Kollenberg. Im Fachjargon wird in solchen Fällen von einer nosokomialen Infektion gesprochen. Sie ist schuld an einem Großteil aller in Hospitälern auftretenden Komplikationen und wird mehr und mehr als ernstzunehmendes Problem aufgefasst. Der effektivste Schutz gegen nosokomiale Infektionen war bislang gründliches Händewaschen. „Jeder kennt doch aus dem Fernsehen die Szene, dass Mediziner und Schwestern nach dem Händewaschen die Tür zum OP nur noch mit dem Ellbogen öffnen“, erzählt Kollenberg und präsentiert eine praktische Alternative. Zukünftig können Krankenhausbetreiber bei ihm anti­septische Türgriffe bestellen. Die Beschläge sehen aus wie Messing, sind aber aus einer speziellen Kupfer-Zink-Silizium-Legierung gegossen worden.



Bakterienkiller aus Velbert

Das Geheimnis der speziellen Mixtur: Sie ist widerstandsfähig und bakterizid. „Die Kupfer-Ionen sorgen dafür, dass alle Erreger in weniger als 60 Sekunden eingehen.“ In Zusammenarbeit mit den Asklepios Kliniken in Hamburg und dem Kupfer-Institut aus Düsseldorf haben die Velberter ein Pilotprojekt gestartet. „Wir waren von der Offenheit der Klinikbetreiber sehr begeistert. Schon drei Wochen nach den ersten Gesprächen konnten wir 40 Sätze Türgriffe anliefern“, erzählt Manuel Kollenberg. Seither laufen die die klinischen Untersuchungen. „Bisher sind alle Laborergebnisse sensationell.“ Manuel Kollenberg prüft mit einem Patentanwalt, wie sich ihre neueste Innovation urheberrechtlich schützten lässt. Danach stünde einer Serienfertigung nichts mehr im Wege. Experten räumen den besonderen Türklinken aus Velbert auch international exzellente Marktchancen ein. Außerdem könnte man sich durchaus vorstellen, desinfizierende Komponenten aus der Sonderlegierung für weitere Kontaktoberflächen herzustellen.



Kooperativ in die Zukunft

Mit inzwischen 65 Mitarbeitern versorgt die Firma Wilhelm May von der Gießereistraße aus den internationalen Baubeschlagmarkt mit ihren Spezialitäten. Seite 2005 ist Manuel Kollenberg auch am Velberter Elektronikspezialisten Scemtec Automation beteiligt. „Durch die Partnerschaft können wir an den technischen Entwicklungen partizipieren, die den mechanischen Beschlag mit elektronischen Kom-ponente verbinden.“ Als Meilenstein der Branche wird der so genannte Funkschlüssel von Scemtec Automation gewertet. Mit ihm können beispielsweise Schubladenschlösser berührungsfrei ent- und verriegelt werden. Für einen Schweizer Luxusbüromöbelhersteller wird gerade die Bestellung mehrerer tausend Einheiten vorbereitet. Das einleuchtende Prinzip der Scemtec Automation-Innovation kann auf viele weitere Bereiche übertragen werden, beispielsweise überall dort, wo Alzheimer oder Altersdemenz ein Thema sind. So wurden bereits vier Wohnbereiche der Velberter Seniorenresidenz Rheinischer Hof mit dem High-Tech-Schlüssel ausgestattet. Inzwischen arbeiten die die beiden Firmen an der nächsten Innovation. „Wir integrieren die Technologie in einen Beschlag“, verrät Manuel Kollenberg. Beim Einsatz werden keine elektrischen Installationen gebraucht. „Den Strom liefert bei uns ein Batteriepack, der eine Lebensdauer von mehreren Jahren hat“, erklärt der Geschäftsführer und beweist erneut eindrucksvoll, dass ihm und seinen Entwicklern immer etwas einfällt. Für die vielen guten Ideen gab es im März sogar einen Preis: Manuel Kollenberg wurde vom Bundesverband der mittelständischen Wirtschaft mit dem Bergische Unternehmerpreis 2008 ausgezeichnet.

Wilhelm May GmbH Baubeschlagfabrik


 


 


 




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